Café Zelig

Veröffentlicht am Veröffentlicht in Entwicklungsräume

Ein Ort der menschlichen Würde und ein Entwicklungsraum der besonderen Art

Eine Wohnung in München-Schwabing: jeden Dienstag wird dort ein großes Zimmer zum Café Zelig.

800-1000 Menschen, die dem Vernichtungsprogramm der Nazis entkamen, leben im Jahr 2017 noch im Großraum München. Etwa 25 Überlebende treffen sich an einem Dienstag im Café Zelig. An einigen Tischen wird über das Erlebte, den persönlichen Holocaust, gesprochen, an einigen über Kuchen.

 

 

Das besondere am Zelig ist nicht, dass man miteinander reden kann. Sondern dass man sich nicht erklären muss. Weil man eine Vergangenheit teilt, sagt der Psychoanalytiker Jorma Ronel (zusammen mit Olga Albrandt von der Kultusgemeinde Initiator des Cafés). Es sei nur wichtig, überhaupt einen Ort zu haben, zu wissen, dass andere Ähnliches erlebt und überlebt haben, sagt Frau Grünberg.

Einige wollen nicht über ihre Erinnerungen sprechen und werden es vielleicht nie tun, andere entdecken nach sechzig Jahren, dass sie ihr Erlebnisse mitteilen wollen. Ich werd sonst meschugge, sagt Natan Grossmann. Das Café Zelig ist ein Ort, an dem du dich frei für das Eine oder das Andere entscheiden kannst, ohne Begründung, alle werden es verstehen.

Das Café Zelig: Ein Ort der menschlichen Würde und später Entwicklungsraum,.

P.S. Als die Kultusgemeinde im Jahr 2014 eine sozialpädagogische Stelle für Überlebende einrichtete (finanziert von der Stadt München) dachte man zunächst an Hilfe bei Behördengängen und ähnliches, aber schnell wurde klar: Das Wichtigste für diese alten Menschen ist Ansprache. Austausch (Joram Ronel).

Quelle: Selig sind die Überlebenden, SZ vom 3./4./5. Juni 2017, siehe auch Artikel in der Jüdischen Allgemeinen

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.