Raum-Zeit

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Früher dachten die Kosmologen, Raum und Zeit seien Konstanten des Universums. Heute, nach den bahnbrechenden Erkenntnissen Einsteins, wissen wir, dass Raum und Zeit, physikalisch gesehen, keine fest stehenden Größen sind. Raum und Zeit bilden vielmehr ein sich wandelndes Raumzeit-Gebilde. In diesem Gebilde bewegen wir uns, wobei unsere Bewegungen das Gebilde (bzw. Die Bemessung von Zeit und Raum) selbst beeinflussen. Raum und Zeit verändern sich, aber auch unsere Wahrnehmung von Raum und Zeit. Um Raumzeit-Gebilde besser zu verstehen, müssen wir das Gebilde als Ganzes in seinem Zusammenhang betrachten, wobei es auf die jeweilige Position und Bewegung eines Beobachters/Akteurs ankommt. Für jemanden in einer (gedachten) anderen Position oder mit einer anderen (gedachten) Bewegung passieren andere Dinge gleichzeitig. Daraus ergeben sich Unterschiede (vgl. Das berühmte Auto/Garagen Beispiel).

Noch komplexer wird die Sache, wenn wir berücksichtigen: es existiert eine ( A) beobachtbare, physikalische Raum-Zeit sowie ein (B) subjektives, menschliches Raum-und Zeitempfinden. (A) und (B) sind aneinander gekoppelt aber nicht identisch. Beide können sich sowohl dehnen als auch verkürzen.

Face-to-face: Gemeinsam in einer Situation da sein

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Die besondere Qualität von Face-to-face-Situationen wird offenbar, wenn wir auf andere mediale Räume angewiesen sind. Schreiben, Telefonieren, Skypen. Aber worin besteht diese Qualität genau, was sind die Unterschiede? Verschiedenste Faktoren wirken ineinander. Ein wesentlicher Faktor ist die Situation.

In einer Face-to-face-Situation teilen wir mit anderen beteiligten dieselbe Situation, dieselbe Umgebung.

Das ist beim Schreiben und telefonieren aber auch beim skypen anders. Beim skypen sehen wir die Beteiligten auf einem Bildschirm, sie befinden sich jedoch in anderen Situationen und Umgebungen. Das ist ein Unterschied, der offensichtlich und gut spürbar einen erheblichen Unterschied macht.

Die gemeinsam geteilte Situation und Umgebung erlaubt viel weitergehende, in der Summe ganz andere Resonanzen. „…Die Situation, die Umgebung, all das hebt uns den Menschen in den Blick, bringt uns nahe. Es ist ein Innewerden“ schreibt Uwe Timm (Ikarien, S. 421).

Wir existieren im miteinander Tun und miteinander Sprechen.

 

 

 

 

 

 

Die „wiedergefundene Zeit“ (Felwine Sarr)

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„Diese Zeit könnte eine wiedergefundene Zeit sein“ schreibt der Senegalese Felwine Sarr in den Zeiten der Pandemie. „Aber sie belastet der Schrecken, mit dem Unbekannten leben zu müssen, das vor uns liegt. Wir haben uns angewöhnt, die Zukunft zu belehnen. Die künftige Zeit zu planen. Die unter uns, die im Wirbel einer globalisierten, hypermobilen Zeit leben, wir waren es gewohnt, unsere Agenda auf Monate hinaus vollzupacken. Wir wussten, was wir den kommenden Winter und Frühling machen würden.

Für die Mehrheit war das Morgen immer gefärbt von Ungewissheit

Wir haben das Unerwartete ausgemustert, gewappnet mit einer Psychologie des Etablierten, einer Zeit, die geordnet wird von Zielen und Zwecken, vom Lieferbaren. Wir lebten in dieser Zeit des Kapitalismus, ausgerichtet auf immer größere Produktivität, besessen, die größtmögliche Zahl von Aktionen gleichzeitig auszuführen. Die Zeit okkupieren, bis zum Gehtnichtmehr. Für andere, und das ist die Mehrheit, war das Morgen immer gefärbt von Ungewissheit. Es brachte seinen Teil an Herausforderungen und plötzlichen Engpässen, manchmal Überraschungen und Tröstungen. Die ungewissen Zukunftstage, man lernte und wusste mit ihnen zurechtzukommen. Man zähmte die Zeit durch eine Runde Tee, durch das Netz einer Unterhaltung, die sie in einen Ort gehobener Qualität veredelte.

Wenn der Schraubstock demnächst wieder gelockert ist, was werden wir dann machen mit dieser wiedergefundenen Zeit? Dieser Moment verpflichtet uns, die Zukunft von Projekten freizumachen, sie zu de-projizieren, sie geschehen zu lassen. Sie zwingt uns, bei uns selber zu bleiben. Innerlich eine Präsenz zu entwickeln und diese sich offenbaren zu lassen, was gewöhnlich abgewürgt wird durch Hyperaktivität und den Lärm draußen…So setzt sich in einem all das durch, was Zeit, Latenz und Dauer braucht, um hervorzukommen…“

 

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Raum und Zeit – Vier Aspekte räum-zeitlichen Erlebens

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Raum existiert nicht ohne Zeit, Zeit nicht ohne Raum. Die physikalische Raum-Zeit unseres Universums dehnt und krümmt sich, seit dem Big Bang. Menschliche Welten sind raum-zeitlich geprägt und gerahmt. Wir erleben die (inneren und äußeren) Welten, in denen wir uns bewegen und entwickeln, zeitlich und räumlich strukturiert, und wir organisieren und gestalten unsere Welten räumlich und zeitlich.

Vier raum-zeitliche Aspekte bestimmen das Erleben, die Struktur und die Organisation menschlicher Welten:
a) natürliche raum-zeitliche Gegebenheiten (Berg und Tal; Tag und Nacht),
b) kulturell genormte/geformte raum-zeitliche Gehäuse  (Erde, Himmel, Hölle; Trauerzeiten)
c) sozial konstruierte raum-zeitliche Rahmenbedingungen (Räume zum Essen, Schlafen oder Arbeiten; Arbeitsbeginn, Feierabend)
d) In neuerer Zeit spielen zunehmend virtuell hergestellte und genutzte Raum-Zeiten eine wichtige Rolle.

Alle vier genannten Aspekte sind wechselseitig miteinander verbunden und ineinander verschachtelt.

Menschen verfügen über ein intuitives Zeit- und Raumempfinden; ein mehr oder weniger bewußtes Gespür für natürliche, kulturelle, soziale und virtuelle raum-zeitliche Umgebungen bzw. Gegebenheiten.

Menschliches Handeln, Fühlen, Empfinden, Denken und Wünschen wird stark beeinflusst durch natürliche, kulturelle, soziale und virtuelle raum-zeitliche Umgebungen.